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Bericht aus Tomball vom 16.03.2014 von David Tebbe

seit dem letzten Brief hat sich sehr viel verändert und eine lange Zeit ist vergangen. Mein Englisch ist jetzt viel besser, aber lustigerweise ist die Linie zwischen Deutsch und Englisch viel verschwommener geworden. So zum Beispiel kann es vorkommen, dass ich jemanden rufe und dann erst merke, dass ich in Deutsch gerufen habe, obwohl ich in Englisch rufen wollte. Aber das Englische wird auch immer mehr verankert mit meinem Sinn für Sprache. So kann ich jetzt Englisch sprechen und muss nicht einmal mehr darüber nachdenken, was ich sage, es fließt mir einfach von der Zunge. Allerdings normalerweise, nachdem ich mit meinen Eltern geskyped habe, bin ich ein wenig müde wegen dem Wechsel in Deutsch und Englisch.

Mit meinen Eltern skype ich normalerweise immer sonntags am Morgen, wegen der Zeitverschiebung ist es dann allerdings schon Abend in Deutschland. An Weihnachten allerdings habe ich mit meiner Familie in Deutschland zweimal geskyped, als wir die Geschenke ausgepackt haben und als in Deutschland Bescherung war. Das Heimweh war nicht so extrem wie ich zuerst vermutet hatte, aber da ich den Tag vor dem Weihnachtsmorgen Brettspiele mit meiner Gastfamilie gespielt habe, hat mich die Gesellschaft mein Heimweh vergessen lassen.

Ich spiele sehr viel Basketball mir meinem kleineren Bruder, Tucker, da wir beide in der Schule im Basketball-Team sind. Da die Teams von meiner Schule gegen andere Teams von anderen Schulen spielen, ist der Zusammenhalt in der Schule sehr ausgeprägt und die Teams werden immerzu angefeuert und unterstützt. In anderen Sportarten und Clubs ist es das gleiche, wenn auch nicht so extrem. Die Schüler zum Beispiel, die in Science Olympia, einer der größeren Naturwissenschafts-Klubs, siegen, bekommen eine Medaille und ein extra Arm-Patch auf ihre Letter-Jacket.

Letter-Jacket sind Jacken, die von der Schule gesponsert sind. Man bekommt sie, wenn man genügend Punkte durch einen Klub oder Sport gesammelt hat. Als Austauschschüler bekommt man so eine Letter-Jacket umsonst und kann sie als ein Andenken mit nach Hause nehmen.

Am Anfang der Frühlingsferien sind meine Mutter und meine Patentante aus Deutschland gekommen und wir haben seitdem sehr viel erlebt. Allerdings muss ich als Übersetzer zwischen den beiden Sprachen Deutsch und Englisch fungieren und das ist härter als es sich anhört. Da man manchmal gar nicht merkt, dass man das Englische wiederholt und nicht übersetzt, kommt es manchmal zu lustigen Situationen. Wir sind zum Beginn der Ferien nach San Antonio gefahren, wo das Alamo steht, das ausschlaggebend für die Unabhängigkeit Texas war. Wir waren dann noch in Austin, der Hautstadt Texas und natürlich zum Rodeo nach Houston. Dieses ist das größte auf der Welt und zieht mehr als 2 Millionen Menschen jedes Jahr nach Houston.

Und damit schließe ich meinen Artikel.

Mit freundlichen Grüßen nach Deutschland,
David Tebbe.

David Tebbe 3
David in Letter Jacket

David Tebbe 4

Alamo, San Antonio

 


 

Hallo Telgte,
von David Tebbe im November 2013

Zwei Monate sind vergangen und der Alltag kehrt langsam ein. Am Anfang ist es wie ein Abenteuer, mit all den neuen Erfahrungen und Freunden, aber das Neuste und wahrscheinlich Verwirrenste ist die neue Sprache. Zuerst versteht man nur sehr wenig, da benutzt man in der Schule für Tests und Quizes meistens einen Übersetzer, ich meine ein tablet. Die Schule ist aber sonst generell sehr einfach, da die Lerngeschwindigkeit nicht so hoch ist, allerdings lernen die Schüler hier viel mehr im Detail was in Deutschland niemals gehen würde. Aber nach einem Monat schreibt man dann doch sehr flüssig. So ist es wirklich schwer diesen Artikel nicht in Englisch zu schreiben, wie es mein Gehirn wahrscheinlich lieber machen würde.

Im ersten Monat ist die Großmutter meiner Gastfamilie gestorben. Natürlich ist es sehr traurig wenn ein Familienmitglied stirbt grade wenn es die Großmutter ist, allerdings hat uns das unheimlich zusammen geschweißt als eine Familie, was nichts anderes hätte bewirken können. Natürlich gab es viel zu organisieren, wie zum Beispiel der Großvater weiterleben soll, nachdem seine Frau gestorben war, weswegen wir keine so langen Ausflüge machen können.

In diesem Monat hatte ich auch das erste Mal Heimweh. ich hätte niemals damit gerechnet, dass Heimweh so schlimm sein kann, da ich sonst oft anderswo übernachtet habe auch ohne meine Familie. Zuerst will man nicht wahrhaben, dass man Heimweh hat, aber wenn man abends im Bett liegt, denkt man schon sehr viel darüber nach, wie es wohl zuhause zugeht und was die Freunde und die Familie machen. Irgendwann verklingt das allmählich, dann kommt die Zeit, wo man wirklich Deutschland und die Kultur vermisst. Ich weiß, dass klingt unglaublich aber diese Zeit kommt wirklich, man beginnt sich Gedanken zu machen, ob es wirklich klug war hier her zu kommen und ob diese Kultur wirklich das ist, was man für die nächsten 10 Monate aushalten kann. Lustigerweise allerdings findet man in dieser Zeit die meisten Freunde in der Schule, wahrscheinlich weil man besser englisch spricht und sich mehr öffnet, das ist ein wirklich verwirrendes Gefühl wenn man darüber nachdenkt: “Dieses Jahr wird das schlimmste und das absolut beste Jahr in deinem gesamten Leben“, dieser Spruch ist wahrscheinlich der weiseste und der richtigste Spruch, mit dem man dieses Jahr beschreiben könnte.

Im zweiten Monat wird die englische Sprache so langsam besser und, so war es bei mir, die Familie hat mehr Zeit für längere Ausflüge, wie zum Beispiel zum Space Center in Houston. Das Space Center war eines meiner Ziele, wo ich unbedingt hin wollte. Es ist ein riesiges Gelände wo man verschiedene Dinge besichtigen kann, wie eine Rakete und Steine vom Mond, Man kann sogar einen dieser Steine anfassen.

Einen anderen Ausflug haben wir in die Hill Country nach Fredericksburg gemacht. In diesem Gebiet lebten die Komanschen (Indianer). Indianer und Weiße wollten sich bekriegen, aber, und jetzt kommt der Clou, die Deutschen wollten den Indianern nicht einfach das Land weg nehmen und so wurde ein Friedensvertrag zwischen Indianern und Deutschen geschlossen. Dieser ist der einzige der gehalten hat und fair war. Leider waren die Deutschen kein Vorbild für andere. Fredericksburg ist also direkter deutscher Ursprung.

 Mit freundlichen Grüßen nach Deutschland, David Tebbe.

 David Tebbe 1
Hill Country bei Fredericksburg

David Tebbe 2
Houston Space Center